Archiv der Kategorie: Bewerbung

Erzählen Sie doch mal von Ihren Schwächen …

… ist eine (vielleicht sogar die) klassische Frage in einem Bewerbungsgespräch. Jede(r) weiss, dass diese Frage im Interview kommen wird und fast jede(r) befürchet, hier ins Straucheln zu kommen. Warum?

  • Geprägt durch unsere (Geschäfts-)Kultur gehen wir davon aus, dass Stärken gut und Schwächen schlecht sind. Das ist natürlich grundsätzlich richtig.
  • In der Folge gehen wir im Einstellungsgespräch davon aus, dass wir die Stelle z.B. wegen unserer Kompetenzen erhalten, bzw. sie nicht erhalten, weil wir Schwächen haben. Das ist aber nur bedingt richtig: wenn uns eine Kernkompetenz, die im neuen Job gefordert ist, fehlt, dann werden wir sicher keine Zusage erhalten – klar. Wenn wir aber etwas nicht oder nicht besonders gut können, diese Fähigkeit aber für den Job gar nicht gefragt ist, kann’s durchaus klappen.
  • Eine Volksweisheit sagt: “Aus Fehlern wird man klug.” – das ist ebenso richtig. Fehler sind immer auch kleine Krisen. Und Krise bedeutet Irritation, Orientierungslosigkeit, Auseinandersetzung mit den eigenen Werten und vieles mehr. Aber Krise bedeutet immer auch Entwicklung!
  • Es ist vergebliche Müh’, sich seine Schwächen abtrainieren zu wollen (siehe auch Stärken und Schwächen). Entscheidend ist nämlich, a) dass man seine Schwächen (er-)kennt und b) was man aus dieser Erkenntnis macht – wie man also die Chance zur eigenen Weiterentwicklung nutzt.

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Karrierefalle Internet: Marcel Widmer in der FAZ Online

Nachdem ich hier im JobBlog zu persönlichen Erfahrungsberichten zum Thema “Meine Spuren im Internet als Stolperstein in der Karriere” aufgerufen habe, hat das Schweizer Fernsehen einen interessanten Beitrag zum Thema (und mit ein paar Ausschnitten aus einem Interview mit mir) gesendet.

Nun hat auch die Online-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Thema aufgegriffen und einen interessanten Artikel dazu veröffentlicht.

Ins Leere verlief denn auch der im Frühsommer gestartete Online-Aufruf des Karrierecoachs und Jobbloggers Marcel Widmer, ihm Fälle zu melden, bei denen sich das Internet als Stolperfalle bei der Bewerbung erwies. Die Zuschriften lieferten allenfalls Vermutungen und Verweise auf Medienberichte, konkrete Fälle wurden nicht berichtet.

Mehr bei FAZ Online: Bewerber googlen – oder lieber doch nicht?

Den Persönlichkeitstest knacken und der Job wird zum Flop

Bewerber werden im Auswahlverfahren oft mit Persönlichkeitstests konfrontiert. In vielen Bewerbungsratgebern raten die Autoren, die Tests geschickt zu manipulieren. Viele Bewerber sind deshalb verunsichert: Soll ich berechnend oder ehrlich antworten?

Im Artikel Seelenstriptease für den Traumjob? Persönlichkeitstests in der Personalauswahl zeigt Kerstin Backhaus, wie Sie sich als Bewerber bzw. Bewerberin im Auswahlverfahren am besten verhalten. Der Artikel gibt wertvolle Erklärungen zu den verschiedenen Testverfahren und zeigt die Vor- und Nachteile auf. Aber er gibt keine Tipps, um die Tests zu “knacken”, sondern plädiert für mehr Authentizität im Bewerbungsprozess.

Authentizität, Offenheit und Ehrlichkeit : darauf kommt es an, wenn Sie einen Job wollen, der zu Ihnen passt – auf nichts anderes! Glauben Sie mir!

Soft Skills in der Bewerbung?

Im openBC-Forum Bewerbung & Recruting hat Christoph Rogge von der RBS (RD Europe) GmbH, Royal Bank of Scotland, Tipps im Zusammenhang mit einer Bewerbung zusammengetragen: No-Go’s in der Bewerbung.

Da ist eine Liste mit vielen wertvollen Hinweisen entstanden, die naheliegenderweise stark auf den Deutschen Arbeitsmarkt ausgerichtet ist, aber auch in vielen Bereichen für die Schweiz gilt.

Ein Tipp im Beitrag ist aber völliger Nonsens sehe ich (mit bestimmt 3000 durchgearbeiteten Bewerbungsdossiers) doch etwas anders:

Vermeiden Sie
[…]
– “Soft-Skills” nur beiläufig zu erwähnen

Hand aufs Herz: Glauben Sie allen Ernstes, dass das Waschmittel X noch weisser als alle anderen wäscht? So wie es in der Werbung immer wieder behauptet wird? ;-) Nein? Warum nicht? Genau: weil diese Botschaft schöngefärbt und damit wenig glaubwürdig ist.

Und nicht anders ist es, wenn ein Bewerber seinen Unterlagen eine ellenlange Liste seiner “Soft skills” beilegt. Es kann ja durchaus sein, dass er tatsächlich “ausgesprochen entscheidungsfreudig, belastbar, durchsetzungs- und umsetzungsfreudig, lösungsorientiert, kritikfähig, flexibel, loyal, ideenreich und kreativ usw.” ist. Aber über die Persönlichkeitskompetenzen lese ich allenfalls in den Arbeitszeugnissen und gehe dann vor allem im Gespräch darauf ein, damit ich mir ein eigenes “Bild” machen kann.

Selbst-Lobhudeleien von Bewerbern sind Null-Informationen. Und können deshalb in Bewerbungen getrost weggelassen werden!

Kündigungsabsicht – mit offenen Karten spielen?

In der Regel rate ich davon ab, seine/n Vorgesetzte/n darüber zu informieren, wenn man beabsichtigt, das Unternehmen zu verlassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Natürlich gehört es zu einem partnerschaftlichen Miteinander in der Arbeit auch, dass man irgendwann wieder getrennte Wege geht – that’s life! Aber die Möglichkeit, dass der Chef/die Chefin das anders sieht und einem daraus (offen oder verdeckt) Probleme entstehen, ist durchaus realistisch.

Das ist meine Erfahrung aus vielen, vielen Gesprächen, die ich als Coach und Personalberater mit Menschen in Wechselphasen gemacht habe. Aber das ist nur meine Erfahrung.

Welche Erfahrung haben Sie gemacht? Haben Sie selbst positive oder negative Reaktionen erlebt? Aus welchen Überlegungen haben Sie einen Wechselwunsch verheimlicht oder offen gelegt? Wie war Ihre Reaktion (wenn Sie selbst Mitarbeiter führen), als Ihnen jemand die Kündigungsabsicht offen mitgeteilt hat? Möchten Sie vielleicht in einem Kommentar berichten?