Archiv der Kategorie: Bewerbung

Spezifisch-ehrlich oder allgemein-diffus? Das Dilemma beim Schreiben von Bewerbungsabsagen

Die Bewerberin hat ihre Bewerbung vorbildlich auf das Unternehmen abgestimmt. Doch nach wenigen Tagen erhält sie eine 08/15-Absage und ist verständlicherweise enttäuscht. Die Personalfachfrau hat in zwei Tagen 150 Bewerbungen prüfen und 140 Absagen schreiben müssen. Sie schafft es auch beim besten Willen nicht, jedem Bewerber eine individuelle Absage zu schreiben. Ein alltägliches Dilemma …

Bewerbungen finden immer in einem Gemisch aus Sachlichkeit, Emotionalität, Hoffnung, Sachzwängen, Erwartungen und menschlicher Fehler statt. Da sind von Unverständnis bis zu gewaltiger Enttäuschung alle Reaktionen denkbar.

In diesem Zusammenhang entstand Ende Oktober auf Twitter eine Diskussion, nachdem ein Blogartikel von Monster Österreich ins Spiel gebracht wurde: Individuelle Absageschreiben gibt es leider viel zu selten…! Darin geht es zum einen darum, im Schreiben spezifisch auf die wahren Gründe der Absage einzugehen. Zum anderen plädiert der Autor dafür, dem Bewerber die Möglichkeit zu geben, sich anhand eines konkreten Feedbacks zu verbessern. Und führt ein Beispielschreiben auf, das den Empfänger auf Schreibfehler, mangelhaft eingescannte Dokumente und unbedachte Formulierungen hingewiesen wird.

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Trendwende: schlechtere Bedingungen für Über-50-Jährige im Arbeitsmarkt

Dass es nicht einfacher wird, eine neue Stelle zu finden, wenn man 50 Jahre oder älter ist, ist eine Binsenweisheit und hat viele Gründe. Trotzdem hat sich die Situation in den vergangen Jahre positiv verändert: Unternehmen bewerteten bisher den Vorteil, den Ü50er gegenüber den «jungen Wilden» mitbringen, stärker: die fundierte Erfahrung. Nun scheint aber ein neuer Trend diesen Effekt wirkungslos zu machen.

Charlotte Jacquemart analysiert in der NZZ am Sonntag vom 23. Juni 2013 die Situation:

Der neue Trend am Arbeitsmarkt widerspricht den Sonntagspredigten der Politiker, die Überalterung erhöhe die Chancen der älteren Semester am Stellenmarkt.

 

Diese Elemente beeinflussen diesen negativen Trend wesentlich:

Über-50-Jährige werden überproportional häufig entlassen

Pascal Scheiwiller (Lee Hecht Harrison) weiss aufgrund des LHH-Kündigungsbarometers, dass Über-50-Jährige überproportional häufig entlassen werden. Dies seit in der Restrukturierungswelle von 2012 zum ersten Mal beobachtet worden.

41% der Kündigungen im letzten Jahr betrafen Arbeitskräfte über 50. Das ist deutlich mehr als der Anteil dieser Altersgruppe an der Erwerbsbevölkerung, der gut 30% beträgt.

Jüngere, ausländische Arbeitnehmer werden bevorzugt

Ein weiterer Grund für die Trendwende sei der globalisierte Arbeitsmarkt. Schweizer Firmen hätten heute weniger Hemmungen, ältere Mitarbeiter durch jüngere, oft ausländische, zu ersetzen: sie seien hochqualifiziert, IT-affin, mobil und flexibel.

Die 50+ sind zwar oft gut qualifiziert, ihr Profil ist aber stark auf den früheren Arbeitgeber zugeschnitten.

… sagt Pascal Scheiwiller.

Top-Qualifikationen schützen Ü50er nicht mehr vor Arbeitslosigkeit

Auch Hochqualifizierte 50+ werden je länger, je mehr Teil der Langzeitarbeitslosen und Ausgesteuerten: Von den durchschnittlich 2’700 Menschen, die pro Monat das Recht auf Arbeitslosenunterstützung verlieren, ist knapp ein Drittel über 50 Jahre alt. Tendenz steigend.

… schreibt Charlotte Jacquemart.

Den ganzen Artikel bei NZZ online: Arbeitslosigkeit: Über 50-Jährige finden kaum einen Job

Job wechseln – ist jetzt der richtige Moment?

Massiver Stellenabbau in der Branche, Unzufriedenheit mit der Aufgabe, Angst vor dem Wechsel im Management? Wann ist der richtige Moment, um den Job zu wechseln? Mit einer Standortbestimmung, dem Wissen um die eigenen Ziele und einer realistischen Bewertung der Möglichkeiten fällt ein Entscheid viel leichter.

Die aktuelle Wirtschaftslage, die Unzufriedenheit mit den eigenen Perspektiven, Angst vor dem Stellenverlust – es gibt viele gute Gründe, sich mit der eigenen beruflichen Veränderung zu beschäftigen.

Bei den einen kommt der Impuls dazu ganz plötzlich, bei anderen ist es längerer Prozess. Aber irgendwann ist klar: «So soll es nicht weiter gehen!» – eine wichtige Erkenntnis, aber nocht nicht die Lösung. Die kann erst gefunden werden, wenn man der (Ur-)Sache auf den Grund geht, neue Wahlmöglichkeiten identifiziert und bewertet. Erst dann kann man entscheiden und handeln.

Dabei ist es wichtig, sich mit den Kernfragen auseinander zu setzen, damit die berufliche Veränderung zielgerichtet geschieht und so nicht zum Flop wird:

  • Wer bin ich? Wer bin ich nicht?
  • Was will ich? Was will ich nicht?
  • Wo will ich hin? Wo will ich nicht hin?

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Bewerbungsgespräche: Achtung, Beobachtungsfallen!

Wenn ich Bewerber und Bewerberinnen interviewe, ist es meine Aufgabe, während des Gesprächs Fakten zu sammeln und danach zu interpretieren und zu beurteilen. Meine Wahrnehmung kann dabei nie objektiv sein und ist immer eine subjektive Auswahl, die von meinen eigenen Vorstellungen und Erfahrungen abhängig ist.

Persönliche Eindrücke sind wichtig und beeinflussen mein Bild von einem Menschen. Ich kann und soll diesen Einfluss nicht ausschalten. Aber ich sollte mir dessen während des Gesprächs stets bewusst sein und so verhindern, in die Beobachtungsfalle zu tappen:

Kontrast-Effekt

Nach einem Gespräch mit einem sehr guten Bewerber besteht die Gefahr, dass mein Bild anderer, durchaus guter Kandidaten, schlechter ausfällt, als es ursprünglich effektiv war. Dieser Effekt gilt auch umgekehrt: ein sehr schlechter Kandidat lässt mittelmässige Bewerber tendenziell eher besser aussehen.

Erster Eindruck

Der erste Eindruck, den ich von einem Kandidaten habe, hat einen grösseren Einfluss auf meine Beurteilung. In Kombination mit der Stereotype («Menschen mit starkem Händedruck sind selbstbewusst») und dem Reihenfolge-Effekt ein häufiger Beobachtungsfehler.
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Bewerben: klassisch auf dem Postweg oder über die elektronischen Medien?

Die Möglichkeiten, die das Internet und die verschiedenen Kanäle bieten, sind verlockend. Aber nicht immer Erfolg versprechend. Erfahren Sie, worauf Sie achten müssen, wenn Sie sich «elektronisch» bewerben.


Entscheidend sind Ihre Unterlagen, nicht der Weg!

Grundlage jeder Bewerbung sind Begleitbrief, Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und Ausbildungsnachweise. Diese Dokumente sind – ganz unabhängig vom Kanal – die entscheidenden Elemente, ohne sie geht es nicht! Das gilt nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die Form. Auch wenn auch im Businessbereich der Umgang zum Glück lockerer geworden ist, halten Sie sich an die klassischen Höflichkeitsformen: «Sehr geehrter Herr Muster» kommt sicher besser an als «Hi :-)!

Die Wahl des Mediums liegt nicht immer bei Ihnen

Der Entscheid, welchen Weg Sie für Ihre Bewerbung wählen, liegt nicht immer in Ihrer Hand, oft wird er im Stelleninserat vorgegeben. «Bewerbungen per E-Mail bevorzugt», ein unmissverständlicher Button «Online bewerben» oder die klassische Postadresse als einzige Kontaktmöglichkeit: so zeigt das Unternehmen unmissverständlich, was es erwartet. Halten Sie sich daran!

Online-Profile bei Xing & Co.

Wenn Sie ein aktuelles Profil auf so genannten Business-Plattformen wie Xing oder Linkedin haben, dann ist es heute durchaus nicht mehr ungewöhnlich, wenn Sie in Ihrem Lebenslauf den Link dorthin aufführen. Nicht anstelle des Lebenslaufs, sondern als Ergänzung! Überlegen Sie aber genau, ob die Informationen in Ihrem Profil wirklich zielführend sind.

Ihr Blog

Sie schreiben in einem Blog regelmässig über Sie interessierende Themen? Berufliche und oder persönliche? Bedenken Sie auch hier, dass die Inhalte (auch die Kommentare anderer!) interpretierbar sind und nicht zwingend so ankommen, wie Sie sich das (damals) beim Schreiben gedacht haben. Wenn Ihr Blog nicht ein wirklicher Mehrwert in Ihrer Bewerbung ist, lassen Sie einen Hinweis darauf weg.

Mit der Bewerbungsseite zum Erfolg?

Immer wieder taucht die Frage auf, ob eine Bewerbungs-Website sinnvoll sei. Leider nein: sie sind in der Regel kontraproduktiv, weil es auf der Empfängerseite oft sehr viel Aufwand braucht, Ihre Bewerbung verarbeiten. In 99% aller Fälle rate ich deshalb davon ab. Sinnvoll mag eine solche Seite dann sein, wenn Sie sich z.B. als Webprogrammierer bewerben und so gleichzeitig eine «Arbeitsprobe» zeigen wollen.

Bewerbung über die Online-Plattformen

Bei den Online-Plattformen (wie sie vor allem grössere Unternehmen einsetzen, weil sie so die direkte Anbindung an die internen IT-Systeme sicherstellen und den Prozess vereinfachen können), können Sie kaum etwas falsch machen, wenn Sie sich an die Vorgaben der Eingabeformulare halten. Die Erfassung der Daten ist manchmal etwas mühsam; Sie sollten sich dennoch die Zeit nehmen und auf exakte Angaben achten.

Fazit

Der Inhalt Ihrer Bewerbung ist entscheidend, nicht das Medium. Messlatte ist dabei immer das Ziel, es den Personalfachleute so einfach wie möglich zu machen, die Informationen über Sie schnell zu erkennen und zu verarbeiten. Vermeiden Sie alles, was Ihre Chance schmälert, zum Gespräch eingeladen zu werden!